Mit ihrer glamourösen Interpretation der alpenländischen Tracht schafft Paltinger eine Gratwanderung, die Landadel und Münchner Gesellschaftsdamen gleichermaßen gefällt. Kurz: "Lollipop & Alpenrock". So heißt ihr Label, und das Motto dazu lautet "Heidi goes to Hollywood". Wären Liz Hurley oder Gwyneth Paltrow die diesjährigen Überraschungsgäste bei der Wiesn, würden sie bestimmt im Tal 27 fündig: Dirndl mit Sexappeal.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Kundschaft das versteckte Atelier ohne Schaufenster und wehende Fahnen an der Hauswand findet. Ein diskretes Schild verweist in den sechsten Stock, wo Lola Paltinger wohnt, näht, bei ihren Kundinnen Maß nimmt und zwischen bunt bemalten Bauernschränken und viel Kitsch ihre Kollektion aufgebügelt zeigt. Die Stücke sind maßgeschneidert, aus chinesischer Seide oder aus französischem handbemalten Organza gefertigt, mit Glitzer oder Pailletten verziert. Zarte Blüten schmücken die Blusen, schillernde Puffärmel sorgen für Extravaganz, und die Schürzen sind mal schlicht, mal Barbie-Style - je nachdem, wie üppig der Rest ausfällt.
Vielleicht hat der Aufenthalt in London bei Vivienne Westwood oder das Intermezzo bei H&M in Stockholm zum flippigen Stil beigetragen, vielleicht ist es auch nur ihr eigener Kopf, den sie gerne mit Rougebäckchen und Ohrenschnecken verziert und damit ihr gut gelauntes Wesen unterstreicht. Die gute Laune verliert Paltinger auch dann, wenn sie durch die Massen auf der Wiesn streift. "Zum Beispiel wenn ich im Hippodrom-Zelt gucke, wie sich meine eigenen Kreationen im Gewimmel von den handelsüblichen Dirndl abheben." Und weil mit Gwyneth und ihren Filmfreundinnen auch diesmal nicht zu rechnen ist, hofft Paltinger auf die Stammkundschaft. Nina Ruge trägt auf der Wiesn ausschließlich Angefertigtes aus ihrer Hand. "Genauso wie Giulia Siegel, Sarah Kern, Jutta Speidel oder Claudia Jung", verrät die 31-Jährige.